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Wenn meine Interpretationen mehr einem visuellen Experiment als einem linearen Bericht gleichen, so glaube ich trotzdem näher an den Konflikt unserer Familie zu stossen, als dies mit den Aussagen der Hinterbliebenen alleine möglich wäre.
Meine Grossmutter lebte weder ein geordnetes noch ein vernünftiges Leben.
Ich glaube sie war sehr fröhlich. In eine reiche Pferdehändler-Familie geboren, als jüngstes von zehn Kindern, standen ihr alle Türen offen. Als Person ihrer Zeit voraus, war sie unabhängig und selbstbewusst. Sie kleidete sich mit der neusten Mode aus Mailand, war Herrin mehrerer Häuser und hatte einen sehr guten Sinn fürs Geschäft. Die ganze Familie denkt mit Stolz an sie zurück. Obwohl wir noch heute von ihrem Vermögen profitieren, hat sie uns, wenn wir ehrlich sind, im tiefsten unserer Seelen doch sehr belästigt, irritiert und verstört. Ich kann nicht sagen, dass sie uns etwas schuldig geblieben wäre, aber ich werde mit ihr noch lange nicht abschliessen können.
Ausflug; Wendelin und Josefine Hunkeler-Kaufmann
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Foto aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
Sie liebte die Freiheit,...
... doch war sie Opfer ihrer selbst. Sie litt unter einem religiösen Wahn, einst für ihr Ausbrechen büssen zu müssen. Sie hörte Stimmen, fürchtete sich anderen Schaden zuzuführen, waren es auch nur winzige Insekten. Nicht selten sah sie in sich selbst den Teufel persönlich.
Die Schizophrenie an sich wurde allerseits ignoriert und mit damaligen Mitteln unterdrückt. Wenn das Umfeld anfing zuzuschnüren, zog die Familie in einen anderen Ort.
Sie war eine Selbstmörderin, auch wenn sie schliesslich eines natürlichen Todes starb. Trotzdem war der Suizid eine ständige Option, um eine Freiheit zurück zu gewinnen, die ihr mit dieser Krankheit genommen wurde. Ein Sprung aus dem vierten Stock in Luzern überlebte sie völlig unversehrt, musste daraufhin aber für Monate in eine geschlossene Anstalt.
Die Krankheit war nicht allgegenwärtig. Zeitweise war sie über Jahre verborgen. Sie brach jedoch meist nach der Geburt eines Kindes oder zu religiösen Feiertagen wie Weihnachten aus. Die ersten Zeichen kündigten sich Tage im voraus im starren Blick ihrer Augen an. Ein Blick wie ihn die Heiligen auf Ölbildern haben, lässt meine Tante noch heute erschaudern. Dann musste schnell gehandelt werden, ein Arzt konsultiert und ein Klinikaufenthalt organisiert werden bevor die hemmungslosen Wahnvorstellungen ausbrechen konnten. Wenn möglich wehrte sie sich nach Leibeskraft und Stimmgewalt gegen eine Klinikeinweisung und wurde von Psychiatrien auch wegen Untragbarkeit abgewiesen.
Die Schizophrenie an sich wurde allerseits ignoriert und mit damaligen Mitteln unterdrückt. Wenn das Umfeld anfing zuzuschnüren, zog die Familie in einen anderen Ort.
Sie war eine Selbstmörderin, auch wenn sie schliesslich eines natürlichen Todes starb. Trotzdem war der Suizid eine ständige Option, um eine Freiheit zurück zu gewinnen, die ihr mit dieser Krankheit genommen wurde. Ein Sprung aus dem vierten Stock in Luzern überlebte sie völlig unversehrt, musste daraufhin aber für Monate in eine geschlossene Anstalt.
Die Krankheit war nicht allgegenwärtig. Zeitweise war sie über Jahre verborgen. Sie brach jedoch meist nach der Geburt eines Kindes oder zu religiösen Feiertagen wie Weihnachten aus. Die ersten Zeichen kündigten sich Tage im voraus im starren Blick ihrer Augen an. Ein Blick wie ihn die Heiligen auf Ölbildern haben, lässt meine Tante noch heute erschaudern. Dann musste schnell gehandelt werden, ein Arzt konsultiert und ein Klinikaufenthalt organisiert werden bevor die hemmungslosen Wahnvorstellungen ausbrechen konnten. Wenn möglich wehrte sie sich nach Leibeskraft und Stimmgewalt gegen eine Klinikeinweisung und wurde von Psychiatrien auch wegen Untragbarkeit abgewiesen.
Das Haus
Zu einer Zeit, als das ganze Ausland auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz strömte, zog es sie nach Italien ans Meer. In einem Inserat der NZZ entdeckte sie ein Haus an der Küste Liguriens. Der Zweite Weltkrieg war gerade vorbei und nur Italiener durften sich ins Grundbuch eintragen lassen, aber sie fand einen Weg das Haus mit dem weiten Meer vor der Tür zu erwerben. Dies zu einer Zeit, als eine Frau alleine nicht einmal ein Auto kaufen konnte. Die Familie fuhr für einen Urlaub hin und weil es so schön war blieben sie gleich dort. Die Kinder wurden eingeschult und mein Grossvater reiste in die Schweiz zurück, um dort alles Formelle in die Wege zu leiten. Das Hab und Gut, mit dem alten Ballast wurde in der Schweiz zurück gelassen, um in der Sonne Italiens ein neues Leben anzufangen.
"Es ging so weit, dass sie sagte, sie sei Luzifer."
Inneres Thema
Widersprüchliche Wahrnehmung, adaptierte Erinnerungen, verborgene Emotionen und die Reflexion einer Familiengeschichte sind die Themen die mich beschäftigen. Um sie kreisen meine Versuchsanordnungen von Berichten und Videoexperimenten.
Die Fragmente aus Interviews und alten Filmaufnahmen, das Abtasten der Überbleibsel und ein visuelles wie auditives experimentieren mit Video fügen das Portrait zu einem Essay. Es ist ein Durchqueren von Räumen deren Türen verschiedene Welten verbinden. Man springt von Zimmer zu Zimmer, jedes hat seine eigenen Regeln und Dimensionen. Während ein Raum ganz sachlich funktioniert, steht im anderen alles auf dem Kopf. Im dritten verläuft die Zeit nicht linear und im nächsten könnte alles unter Wasser stehen. Lineares wird von Unerwartetem durchbrochen, Trauriges oder gar Irritierendes von Humor unterwandert. Es sind Andeutungen und Assoziationen, jedoch kein abschliessender Bericht, die viele Interpretationen offen lassen.
Die Fragmente aus Interviews und alten Filmaufnahmen, das Abtasten der Überbleibsel und ein visuelles wie auditives experimentieren mit Video fügen das Portrait zu einem Essay. Es ist ein Durchqueren von Räumen deren Türen verschiedene Welten verbinden. Man springt von Zimmer zu Zimmer, jedes hat seine eigenen Regeln und Dimensionen. Während ein Raum ganz sachlich funktioniert, steht im anderen alles auf dem Kopf. Im dritten verläuft die Zeit nicht linear und im nächsten könnte alles unter Wasser stehen. Lineares wird von Unerwartetem durchbrochen, Trauriges oder gar Irritierendes von Humor unterwandert. Es sind Andeutungen und Assoziationen, jedoch kein abschliessender Bericht, die viele Interpretationen offen lassen.
auf Grund; Videostill
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auf Grund von Manaledi La Roche
Videoessay, 2008, 11 min
lebendiges und totes; warmes regentropfengeknister; ich berühre das rascheln der bettdecke mit meinen kinderhänden:
Eine poetische Sammlung von Erinnerungsbildern
und -tönen, die das Publikum in ein zeitloses Schweben mitnimmt.
Videoessay, 2008, 11 min
lebendiges und totes; warmes regentropfengeknister; ich berühre das rascheln der bettdecke mit meinen kinderhänden:
Eine poetische Sammlung von Erinnerungsbildern
und -tönen, die das Publikum in ein zeitloses Schweben mitnimmt.
Fotofalle; Reh mit Jungem
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Bild: Georg Sutter, Wildhüter
Filmprojektion; im Haus in Laigueglia
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Still aus Grossmutters Koffer von Dominique Müller
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Aussicht mit Vögeln; in Luzern
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Bild: Dominique Müller
Viele hatten sie gerne,...
... genossen ihren Freisinn und bewunderten ihren Mut. Sie liebte das Leben mit seinem Luxus und erlangte fast königliches Ansehen. Doch so sagte man sich, natürlich nur hinter vorgehaltener Hand, sie würde sich auch die königlichste aller Tugenden, den Wahnsinn, mit dem alten Adel teilen. Es hätte ihr bestimmt nichts ausgemacht dies zu thematisieren, sowie es kaum ein Tabu für sie gab. Es hätte ihr wahrscheinlich sogar geholfen ein einfacheres Leben zu führen. Aber dass sie «im Kopf nicht ganz dicht» war, hat uns bis heute überfordert.
Weil Könige in der Schweiz nicht existieren,...
... heiratete sie einen Anwalt. Er umwarb sie für zehn Jahre und trug sie auf Händen. Eine Bindung zu ihr aufzubauen oder gar ein Leben mit ihr zu teilen, dazu war jedoch niemand fähig. Was ihn aber nie dazu brachte sie jemals im Stich zu lassen. Sie hatten vier Kinder. Die drei Töchter und der nachgezogene Sohn waren so unterschiedlich, dass sie sich bis heute kaum begegnen.
Ausflug; Wendelin Hunkeler
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Foto aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
Das Haus in Laigueglia ist nun seit vierzig Jahren verlassen.
Die schweren Möbel sind noch die gleichen, wie sie damals für jedes Zimmer entworfen wurden. Eingerichtet, aber trotzdem leer steht alles auf dem kalten Steinboden. Weil sich die vier Geschwister in nichts einig sind und sie sich wahrscheinlich auch nicht mit den Erinnerungen an die Zeit im Haus auseinander setzten möchten, steht es noch so ursprünglich da wie vor 40 Jahren. Zwischen den zum Himmel geschossenen Hotelbunkern der 70er Jahre und der alten Zuglinie, die das Haus vom Strand trennt, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ich kann mich erinnern, wie wir als Kinder die Waggons der Güterzuge vom Bett aus zählten, wenn sie nachts die Erde zum Vibrieren brachten und freuten uns über neue Rekorde. Zur Zeit als meine Mutter noch Kind war, konnte der Schaffner gebeten werden, für ein kleines Trinkgeld den Zug vor der Haustür anzuhalten, um nach einem Schweizurlaub mit allem Gepäck vor dem Haus auszusteigen.
auf dem Balkon; im Haus in Laigueglia
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8 mm aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
Experimente
Die Videoexperimente sind der abstrakte/surreale Teil. Obwohl sie offensichtlich nicht dokumentarisch echt sind, sollen sie eine Interpretation der Ereignisse unterstützen. Sie sind meine persönliche Art der Spurensuche in diesem Film. Eine Reihe von Experimenten, die auf eine visuelle Art Emotionen und Interpretationen hervor rufen sollen. Sie dürfen irritierend und unerwartet ausfallen und wenn möglich eine gewisse Ironie und Humor einbringen. Sie sind noch nicht ausgereift und können von mir erst durch Tests mit der Kamera auf ihre Wirkung erprobt werden. Erste visuelle Ansätze wären, beim Versuch des Ausbrechens aus einer strukturiert kontrollierten Welt, z.B. in den Wald zu gehen. Im Wald stehend, ist er in seiner Dimension nicht greifbar. Oder das Abtauchen in eine Unterwasserwelt, in der es weder oben noch unten gibt, alles schwerelos ist. Auch die Welt auf dem Kopf oder aus ungewohnten Perspektiven betrachtet, kleine Details ganz nahe erleben oder in eine feste Materie eindringen sind Versuchsanordnungen, die ich auf deren Wirkung testen möchte.
im Bett; Josefine Hunkeler-Kaufmann
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Foto aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
"Sie konnte sich gut mit uns Kindern beschäftigen, und hat verückte Sachen mit uns unternommen. Sie hatte eine jugentliche Art, aber gleichzeitig lebte sie in einer anderen welt."
auf Grund; Videostill
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auf Grund von Manaledi La Roche
Videoessay, 2008, 11 min
lebendiges und totes; warmes regentropfengeknister; ich berühre das rascheln der bettdecke mit meinen kinderhänden:
Eine poetische Sammlung von Erinnerungsbildern
und -tönen, die das Publikum in ein zeitloses Schweben mitnimmt.
Videoessay, 2008, 11 min
lebendiges und totes; warmes regentropfengeknister; ich berühre das rascheln der bettdecke mit meinen kinderhänden:
Eine poetische Sammlung von Erinnerungsbildern
und -tönen, die das Publikum in ein zeitloses Schweben mitnimmt.
Fotofalle; Fuchs
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Bild: Georg Sutter, Wildhüter
"Sie hat uns nicht mehr erkannt."
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Die Geschichte
Es ist das Portrait meiner Grossmutter Josefine Hunkeler-Kaufmann. Die Geschichte beginnt irgendwann in den 20er Jahren als meine Grossmutter geboren wurde, hat ihren Höhepunkt in der aufgeräumten Welt der 50er und endet mit dem Reflektieren ihrer Person in der heutigen Zeit. Ich kann nicht behaupten sie je wirklich kennen gelernt zu haben und beziehe mich nur auf die Erzählungen meiner Familie und die noch erhaltenen Dokumente aus den verschiedensten Station ihres Lebens, welche ich zusammengetragen habe. Ich glaube sie war ein glücklicher und mutiger Mensch, obwohl sich das Leben ein paar tiefe Abgründe für sie ausgedacht hatte. Schizophrenie, die in der heilen Welt der 50er Jahre als Schwermut umschrieben wurde, bedeutete für meine Grossmutter in zwei Welten leben zu müssen. In der einen als erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter, in der anderen als eine vom Wahn besessene auf der Flucht. Vier Kinder berichten mir auf völlig unterschiedliche Weise von ihrer gestohlenen Kindheit.
Meine Erinnerungen
Um auf meine Erinnerungen an sie zurückzukommen, sie starb als ich noch klein war. Schizophrene Ausbrüche hatte sie keine mehr, aber die Medikamente und Therapien hatten ihr auch jedes Leben genommen. Behalten habe ich das Bild einer abwesenden Person, die mit ihrem Strickwerk Wolle durch das ganze Haus spannt. Gestickte Maschen schoben sich langsam über die Nadel, bis sie hinten wieder runter fielen und sich auflösten. Wenn ich ehrlich bin, kenne ich die Person nur von Bildern, alten Filmaufnahmen und den Erzählungen anderer. Ich sehe zu ihr auf und bewundere ihre Stärke. Doch was mich dabei am meisten bewegt, ist, wie ähnlich sie mir ist.
im Garten; im Haus in Laigueglia
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Foto aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
das Haus; in Laigueglia, Italien
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Foto aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
Die Essenz liegt in der Widersprüchlichkeit
Eine Frau, Ihrer Zeit voraus. Ein Mann der sie über alles liebt, ein verlassenes Haus voller Erinnerungen und eine unausgesprochene Krankheit sind die Themen meines Projekts. Die Schizophrenie als Hauptkonflikt wird von den Protagonisten nur ungern angesprochen, teils haben sie es sogar geschafft die Krankheit ihrer Mutter völlig auszublenden. Damals wurde diese Krankheit als Schwermut und Depression abgetan und mit monatelangen Kuraufenthalten und Elektroschocktherapien kuriert. Die Konfrontation mit Krankheit wurde im Allgemeinen verdrängt. Die Familie zog von Ort zu Ort, sie lebten in Luzern, Genf, Vaduz, Bad Ragaz und als letztes in Laigueglia, einem Fischerdorf am Meer. Zwei der Kinder zogen mit 15 Jahren von zuhause aus um unabhängig auf eigenen Beinen zu stehen.
Das Leben meiner Grossmutter bewegt noch heute, so lange nach ihrem Tod, die Gemüter der Familie und hat im materiellen, wie geistigen Auswirkungen auf die Generationen danach. Auffällig ist, dass die Eckdaten von Ereignissen zwar überprüfbar sind, sie in den Berichten der vier Kinder aber völlig verschieden wiedergegeben werden. So können sich alle an die Abwesenheit der Mutter erinnern, z.B. kamen alle vier, kaum in Italien angekommen, in ein Internat, weil die Mutter für zwei Jahre in eine Klinik musste. Die Kinder sind sich jedoch nicht einig was die Ursache war. Die eine Tochter fühlte sich im Stich gelassen, die zweite sah dies als positive Herausforderung und während sich die dritte partout nicht an eine Krankheit erinnern kann, kämpft der Sohn mit der ständigen Furcht selber besessen zu sein. Die Berichte sind geprägt von Bewunderung und Ansehen, jedoch auch von Unverständnis und Frust. Nicht selten äussern sie sich sogar in Hass. Für mich ist diese Widersprüchlichkeit und Heterogenität der Erinnerungen der Ausgangspunkt meines Interesses - eine imposante Persönlichkeit, die nur schwer zu greifen/begreifen ist und noch von den Generationen danach reflektiert wird.
Das Leben meiner Grossmutter bewegt noch heute, so lange nach ihrem Tod, die Gemüter der Familie und hat im materiellen, wie geistigen Auswirkungen auf die Generationen danach. Auffällig ist, dass die Eckdaten von Ereignissen zwar überprüfbar sind, sie in den Berichten der vier Kinder aber völlig verschieden wiedergegeben werden. So können sich alle an die Abwesenheit der Mutter erinnern, z.B. kamen alle vier, kaum in Italien angekommen, in ein Internat, weil die Mutter für zwei Jahre in eine Klinik musste. Die Kinder sind sich jedoch nicht einig was die Ursache war. Die eine Tochter fühlte sich im Stich gelassen, die zweite sah dies als positive Herausforderung und während sich die dritte partout nicht an eine Krankheit erinnern kann, kämpft der Sohn mit der ständigen Furcht selber besessen zu sein. Die Berichte sind geprägt von Bewunderung und Ansehen, jedoch auch von Unverständnis und Frust. Nicht selten äussern sie sich sogar in Hass. Für mich ist diese Widersprüchlichkeit und Heterogenität der Erinnerungen der Ausgangspunkt meines Interesses - eine imposante Persönlichkeit, die nur schwer zu greifen/begreifen ist und noch von den Generationen danach reflektiert wird.
Ausflug; Luzern
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8 mm aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
Interviews
Die Interviews verfolgen die Ansichten und Gefühle der einzelnen Person. Sympathie und Abneigung liegen für mich ganz nahe beieinander und sollten in Wechselwirkung zueinander stehen, wenn sie die Charaktere und den Konflikt beschreiben. Banales wird plötzlich sehr emotional gewertet. Nicht in Stein gemeisselte Fakten sind das Ziel, sondern die insgeheimen Vermutungen und Äusserungen sind mir wichtig. Dabei steht die Art und Form der Aussagen vor der eigentlichen Information der Aussage. Mich interessiert das Unbewusste, Ungesagte, Angedeutete oder das Versteckte hinter einer Maske.
"Auf den Fotos siehst du immer, wie Vater ganz verliebt zu Mutter Schaut."
Im Wald
Ähnliche Assoziation habe ich zum Wald. Wir leben in der Stadt, brauchen die Infrastruktur und die Zivilisation. Aber im Wald können wir uns erholen. Die Wipfel der mächtigen Bäume beugen sich im Wind und erinnern mich an eine Burg. Der Eingang ist überall, obwohl uns eine Wand von Bäumen gegenüber steht. Beim Eintreten können wir noch für eine Weile zurück schauen, bis uns die Bäume verschlucken. Auch hier übertreten wir eine Grenze, wo der Raum plötzlich seine Dimensionen verliert. Im Wald stehend haben wir keine Vorstellung von der Form oder der Grösse des Waldes. Man ist ganz einsam, aber hinter oder auf jedem Baum könnte ein Kreatur auf uns treffen. Obwohl wir ganz alleine sind und niemanden sehen können, sind uns viele Tiere und Menschen ganz nah, die sich aber unserer Nähe genauso wenig bewusst sind. Und auch hier ist die Umgebung beruhigend und erholend, aber auch bedrohend zugleich. Vielleicht gerade deshalb, weil man den Überblick völlig verliert und Details die Rahmenbedingungen bilden.
Hinter meinem Haus beginnt ein kleiner Wald. Morgens fliegen immer ganze Schwärme von Raben aus seinen Baumwipfeln Richtung Stadt und am Abend kommen sie mit Geschrei zurück. Sie setzten sich auf den ersten Tannenspitzen nieder und sammeln sich bevor sie langsam vom Wald verschluckt werden. Manchmal stelle ich mir vor, wie die Welt hinter dieser Baumfestung aussehen könnte.
Neulich war ich nachts mit meiner Fotokamera im Wald. Alles war ganz ruhig. Alles schlief in seinen Nestern, Höhlen und Buschwerk. Ich war ganz alleine da, so schien es jedenfalls. Doch wenn ich auf den Blitz der Kamera drückte, wurden der Wald für eine Sekunde erhellt. Obwohl es umgehend wieder stockdunkel war, konnte ich hören und spüren wie alle Tiere aufgeschreckt davon rannten und um mich herum flattern. Das war ein sehr merkwürdiges Gefühl, ich hatte sogar ein bisschen Angst umgerannt zu werden. Dann kehrte wieder nächtliche Ruhe ein. Auf den Bildern selber war nichts zu sehen.
Hinter meinem Haus beginnt ein kleiner Wald. Morgens fliegen immer ganze Schwärme von Raben aus seinen Baumwipfeln Richtung Stadt und am Abend kommen sie mit Geschrei zurück. Sie setzten sich auf den ersten Tannenspitzen nieder und sammeln sich bevor sie langsam vom Wald verschluckt werden. Manchmal stelle ich mir vor, wie die Welt hinter dieser Baumfestung aussehen könnte.
Neulich war ich nachts mit meiner Fotokamera im Wald. Alles war ganz ruhig. Alles schlief in seinen Nestern, Höhlen und Buschwerk. Ich war ganz alleine da, so schien es jedenfalls. Doch wenn ich auf den Blitz der Kamera drückte, wurden der Wald für eine Sekunde erhellt. Obwohl es umgehend wieder stockdunkel war, konnte ich hören und spüren wie alle Tiere aufgeschreckt davon rannten und um mich herum flattern. Das war ein sehr merkwürdiges Gefühl, ich hatte sogar ein bisschen Angst umgerannt zu werden. Dann kehrte wieder nächtliche Ruhe ein. Auf den Bildern selber war nichts zu sehen.
Fotofalle; Fuchs
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Bild: Georg Sutter, Wildhüter
"an Weihnachten hätte man meiner Mutter einen Gutschein für einen Kuraufenthalt in der Psychiatrie under den Baum legen können."
Verlobungstag; Josefine Hunkeler-Kaufmann
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8 mm aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
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Synopsis
Fotoalben und Filmaufnahmen sind Teil des Familiengedächtnisses. Es sind meist die schönen Momente die festgehalten werden. Krankheiten und Enttäuschungen, sowie Ängste haben in Bildern des Familienlebens keinen Platz. In einem fragmentarischen Portrait über eine Frau, die ihrer Zeit voraus ist, einem Ehemann, der sie über alles liebt und vier Geschwister, die von ihrer verlorenen Kindheit erzählen, füge ich eine Versuchsanordnung zu einem Essayfilm zusammen.
Gruppenbild; Familie Hunkeler-Kaufmann
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Foto aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
Unter Wasser
Wasser bedeutet für mich Schwerelosigkeit und Unendlichkeit. Zeit und Raum haben keine Bedeutung. Unterwasser sieht man ins Nichts und aus dem Nichts kann jeder Zeit etwas auftauchen. Es ist friedlich und ruhig, kann aber auch bedrohlich und einsam sein. Im Wasser entledigen wir uns unserer Kleider und sind wehrlos. Wir wollen ungestört sein und uns treiben lassen. Wasser ist reinigend, erholend oder erfrischend. Es ist intim und befreiend. Die Zeit scheint still zu stehen. Bewegungen sind gleitend, und wir hören alles gedämpft. Mitgebrachte Luftblasen eilen der Wasseroberfläche entgegen. Alles was passiert könnte nur eine Erinnerung sein. Die Unterwasserwelt ist wie ein Paralleluniversum. Man bewegt sich in der Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit.
Schon als Kind hat es mich unglaublich beeindruckt am Meer oder einem See zu sein. Das Ufer und die Wasseroberfläche sind die einzige Grenze, die ich wirklich verstehe. Die Vorstellung ein Haus am Tor zu einer anderen Welt zu bewohnen öffnet noch heute mein Herz. Obwohl wir im Wasser fremd sind und auch nicht lebensfähig wären, können wir einfach eintreten. Wir müssen selber wissen wie weit wir eindringen wollen, wie tief wir abtauchen oder wie weit wir hinausschwimmen. Und manchmal kommen wir nicht mehr zurück. Der Grund birgt seine Geheimnisse.
Schon als Kind hat es mich unglaublich beeindruckt am Meer oder einem See zu sein. Das Ufer und die Wasseroberfläche sind die einzige Grenze, die ich wirklich verstehe. Die Vorstellung ein Haus am Tor zu einer anderen Welt zu bewohnen öffnet noch heute mein Herz. Obwohl wir im Wasser fremd sind und auch nicht lebensfähig wären, können wir einfach eintreten. Wir müssen selber wissen wie weit wir eindringen wollen, wie tief wir abtauchen oder wie weit wir hinausschwimmen. Und manchmal kommen wir nicht mehr zurück. Der Grund birgt seine Geheimnisse.
am Stricken; Josefine Hunkeler-Kaufmann
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Foto aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
"Mann kann sich gegenseitig achten, aber dass man sich liebt, kann man nicht erzwingen."
auf der Veranda; Haus in Laigueglia
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8 mm aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
DA VENDERE
Wegen unlösbaren Differenzen der Geschwister, Familienzuwachs und fallendem Eurokurs hängt seit zwei Jahren ein grosses Schild vom Balkon mit «DA VENDERE» mit einer Schweizer Telefonnummer darauf. Interessenten kommen und gehen, doch nun scheint das erste mal ein Käufer zusagen zu wollen. Die vier Geschwister sind damit konfrontiert sich zu treffen und die Zimmer im Haus mit den Möbeln und Erinnerungen zu räumen.
Abtasten
Die erhaltenen Dokumente (alte Fotos und Filmaufnahmen) stehen einerseits für schöne Erinnerungen und Momente, die man versuchte festzuhalten. Andererseits möchte ich aber im Kontext der Berichte genau hinter diese Fassade schauen können. Die Bilder sind geprägt von der Welt der 50er Jahre. Eine Zeit, die für viele vollkommen schien. Mit den Familienfotos versuchte mein Grossvater die schönsten Momente der Familie zu konservieren. Sie rücken an die Stelle des allgemeinen Familiengedächtnisses. Die Erzählungen, welche diese Fotos jedoch auslösen sprengen den Rahmen ihrer eigentlich positiven Absicht, eine schöne aber vielleicht einseitige Erinnerung festzuhalten.
Das Abtasten von Schauplätzen ist eine Reflexion aus heutiger Sicht auf die damaligen Gegebenheiten. Sie bringt uns an die Orte zurück, wo alles stattgefunden hat und vielleicht gewisse Spuren jener Zeit aufzufinden sind.
Das Abtasten von Schauplätzen ist eine Reflexion aus heutiger Sicht auf die damaligen Gegebenheiten. Sie bringt uns an die Orte zurück, wo alles stattgefunden hat und vielleicht gewisse Spuren jener Zeit aufzufinden sind.
Skiurlaub; Josefine Hunkeler-Kaufmann
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8 mm aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler
auf Grund; Videostill
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auf Grund von Manaledi La Roche
Videoessay, 2008, 11 min
lebendiges und totes; warmes regentropfengeknister; ich berühre das rascheln der bettdecke mit meinen kinderhänden:
Eine poetische Sammlung von Erinnerungsbildern
und -tönen, die das Publikum in ein zeitloses Schweben mitnimmt.
Videoessay, 2008, 11 min
lebendiges und totes; warmes regentropfengeknister; ich berühre das rascheln der bettdecke mit meinen kinderhänden:
Eine poetische Sammlung von Erinnerungsbildern
und -tönen, die das Publikum in ein zeitloses Schweben mitnimmt.
Fotofalle; Kitz
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Bild: Georg Sutter, Wildhüter
Spaziergang; Wendelin und Josefine Hunkeler-Kaufmann
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8 mm aus dem Nachlass von Wendelin Hunkeler